Warum Mineralwasser den gesunden Menschenverstand beleidigt!
Eine einzigartige Flasche. Vorzugsweise kreiert von einem Stardesigner. Dem Wasser noch schnell einen besonderen Nutzen andichten. Und schliesslich als «Sahnehäubchen» obendrauf «kauft» man sich Promis oder Influencer. Und schwupps ist schon wieder ein neues, völlig absurdes Mineralwasser – das eigentlich niemand braucht – auf dem Markt. Weinen oder lachen? Sicher aber einfach mal darüber nachdenken…
Ein Mineralwasser, das aus Quellen in den Alpen stammt, gilt als besonders rein. Dieses Mineralwasser rühmt sich damit, besonders gut für die Zubereitung von Babynahrung zu sein und wirbt deshalb auch mit Kleinkindern. Nur dumm, dass Forscher durch Zufall Rückstände von Chlorothalonil in eben diesem Wasser nachweisen konnten. Und zwar nicht zu knapp: 6 Nanogramm pro Liter wurden gemessen. Zum Vergleich: Im Zürichsee sind es deren 5 Nanogramm. Das Verbrauchermagazin «Öko-Test» empfiehlt, dieses in der Schweiz extrem beliebte Wasser nicht auf Dauer zur Zubereitung von Babynahrung zu verwenden. Denn die Tester fanden dann auch noch Spuren von Uran. Na dann Prost.
Wer hat’s erfunden? Eine Flasche Wasser gehört beim Italiener mit auf den Tisch. Und wer den gastronomischen Gepflogenheiten nicht zuwider handeln will, lässt sich ein Stück «Dolce Vita» kredenzen. Doch: Dieses ebenfalls sehr beliebte Mineralwasser ist angereichert mit Uran. Nur zum Verständnis: Uran ist ein leicht radioaktives Schwermetall. Seine Strahlenwirkung ist im Zusammenhang mit dem Mineralwasser als gesundheitlich unbedenklich einzustufen, so «Öko-Test»; bedenklicher ist demnach seine Toxizität. Aha… Und was darf das kosten?
Und schliesslich: Fernweh ist weit verbreitet. Aber muss man deshalb ein Mineralwasser kaufen, das vom Ende der Welt stammt? Muss es ein Wasser aus dem vermeintlichen Paradies sein, das rund 16.000 Kilometer entfernt von der Schweiz ist? Tja… Laut Hersteller ist dieses Mineralwasser – das glücklicherweise mittlerweile fast überall aus den Regalen verschwunden und vielerorts nur noch online bestellbar ist – besonders gesund, weil es fernab der menschlichen Zivilisation in unberührter Natur vor sich hinquellt.
Die CO2-Emmission von 1 Liter Mineralwasser beträgt in etwa 200 g CO2. Leitungswasser hingegen nur 0,35 g CO2. Rechnet man die Differenz auf den jährlichen Mineralwasserkonsum der Schweizerinnen und Schweizer (aktuell 110 Liter pro Kopf und Jahr) und die Einwohnerzahl hoch, wird klar: Die Schweiz könnte nur mit dem «richtigen» Wasserkonsum Jahr für Jahr knapp 200’000 Tonnen CO2 einsparen. Zur Veranschaulichung: Diese mit einer einfachen Änderung der Verhaltensweisen zu realisierende Einsparung entspricht rund 55 Millionen Autokilometern